Das System ist schuld
Warum ich misstrauisch werde, wenn jemand am Konferenztisch den Fehler im System sucht – und was die ehrlichere Frage stattdessen wäre.
„Das System ist schuld.”
Ich sitze einer Geschäftsführerin gegenüber, im sechsten Stock eines Industriegebiets in NRW. Sie zählt auf: das ERP – veraltet. Die Abteilungsleiter – konservativ. Die Mitarbeiter – nicht digital genug. Der Markt – schwierig. Die Bank – ungeduldig.
Sie hat in allem recht.
Und trotzdem werden wir uns in dieser Stunde nicht weiterbringen.
Weil „das System” – das veraltete ERP, der zögerliche Abteilungsleiter, die ungeduldige Bank – nichts ist, was sie zwischen zehn und elf Uhr morgens beeinflussen kann.
Was sie beeinflussen kann: ihre Frage. Die Mail, die sie schreibt. Den Anruf, den sie führt. Die Position, aus der sie heute Morgen ins Büro gekommen ist.
Ich finde es schwer, wenn Menschen den Fehler in Systemen suchen.
Nicht weil Systeme nie kaputt wären – das wäre naiv. Sondern weil „das System ist schuld” der präziseste Satz ist, mit dem man sich selbst aus der Verantwortung entlässt.
Manchmal lässt sich ein System ändern. Häufiger nicht. Aber meinen Umgang mit dem System. Meine Position darin. Den Hebel, an dem ich tatsächlich sitze.
Das kann ich immer ändern.
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