Stille ist kein Nein
Wie ein vier Stunden langes Schweigen in einer improvisierten Werkstatt an der TU Dortmund 2011 mein Verständnis von Vertrieb und Beratung geprägt hat.
Drei Worte haben mir vor fünfzehn Jahren beigebracht, in Verhandlungen die Klappe zu halten.
„Jungs, wir haben ein Problem.”
Es war 2011. Wir standen an der TU Dortmund, in unserer improvisierten Werkstatt – dem Ort, an dem unsere Tische entstanden und gelagert wurden.
Drei Jahre Tüftelei lagen hinter uns. Ein selbst gebauter Tisch, der nach Feuer und Teig roch. Ein Patent in der Mappe. Eine Idee, die wir glaubten, bevor irgendjemand sonst sie glauben wollte – die Knüppelknifte: ein vorgefülltes Brot, um einen Knüppel gewickelt, über offener Flamme gebacken.
An diesem Abend war alles fast gescheitert. Der eigentliche Termin – ein Gastronom aus Bochum – hatte kurzfristig abgesagt. Das letzte Studentengeld lag bereits in Mehl, Schinken, Käse, getrockneten Tomaten, Nutella und Erdbeeren.
Ein Anruf, eine Bitte. Und Philip kam.
Philip, hip, erfahren, Inhaber des Schürmanns im Park im Dortmunder Westfalenpark.
Wir knüppelten. Über vier Stunden. Knifte um Knifte – Schinken-Rucola, Käse-Tomate, Nutella-Erdbeere – jedes Brot über offener Flamme.
Und Philip wurde leiser. Und leiser.
Ich dachte: gescheitert. Es schmeckt nicht. Bauchschmerzen. Ihm gefällt es einfach nicht. Irgendeine Variante des höflichen Endes lag in der Luft.
Dann sagte er den Satz.
„Jungs, wir haben ein Problem.”
Eine Pause, die sich anfühlte wie ein Urteil.
„Ich brauche sechs Tische. Bis wann könnt ihr liefern?”
Ein Tisch kostete damals tausend Euro. Sechstausend Euro Auftrag, von einem Mann, den wir am Vortag noch nicht gekannt hatten.
Wir haben die Tische gebaut. Wir haben sie geliefert. Und dabei viel darüber gelernt, was wir an unserem Konzept noch schärfen wollten. Aber das ist eine andere Geschichte.
Fünfzehn Jahre später sitze ich in Konferenzräumen statt in Werkstätten. Der Gastronom heißt heute Geschäftsführerin oder CFO. Aber der Moment wiederholt sich.
Der Workshop läuft, die Argumente sitzen. Dann wird es still. Tagelang keine Antwort.
Mein Instinkt ist derselbe wie damals: Es ist vorbei. Sie haben sich gegen mich entschieden. Ich sollte nachlegen, mehr Wert liefern, schneller sein.
Aber ich habe gelernt: Was ich als Ablehnung lese, ist meistens Verarbeitung.
Manchmal rechnet jemand. Manchmal wägt jemand. Manchmal braucht jemand drei Tage, um intern zu klären, ob er sechs Tische bestellen kann.
Stille ist selten ein Nein. Sie ist meistens ein „Ich denke noch nach.”
Halt die Klappe. Warte. Der Satz kommt.
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